- gelb und gestromt -
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HD /ED


Hüftgelenksdysplasie (HD)

Das Wort Dysplasie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Worten dys = schlecht und plasia = Formgebung zusammen. Die Hüftgelenkdysplasie des Hundes ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der die Hüftgelenkpfanne und der Oberschenkelkopf nicht aufeinander abgestimmt sind. (Löffler, 1990)

Bei der HD handelt es sich um eine genetisch beeinflusste Fehlentwicklung der Hüftgelenke (vorrangig bei mittelgroßen bis großen Rassen), an deren Ausbildung mehrere Gene beteiligt sind (= polygenetische Vererbung). Deshalb gibt es viele unterschiedliche Abstufungen an Schweregraden . Der Grad der Ausprägung kann auch durch Äußere Faktoren (Bewegung, Fütterung) beeinflusst werden.

Gelenkschäden können auch dann auftreten, wenn die Gelenkform zwar korrekt ist, der Gelenkschluss (=Sitz des Kopfes in der Pfanne) aber ungenügend ist. Gründe hierfür sind zu schlaffe Bänder oder Gelenkkapseln. Der Grad der Schädigung und damit der folgenden Arthrose ist abhängig von der Fehlbildung, aber auch von der Skelettbelastung.

Mehrere Autoren gehen davon aus, dass die HD bei allen Hunderassen vorkommt. Die Verbreitung ist jedoch bei den einzelnen Rassen sehr unterschiedlich.

So neigen schnell wüchsige, große Hunderassen eher zur HD als kleinere und leichtere Rassen. Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nicht nachgewiesen werden.

Weil die HD leider immer noch vielfach als nicht therapierbar gilt, ist die Diagnose oftmals niederschmetternd. Man sieht sich mit dramatischen Krankheitsverläufen und letztendlich mit einer drohenden Euthanasie seines Hundes konfrontiert.

Obwohl in den letzten Jahren Züchter und Verbände durch verschärfte Selektionsmaßnahmen, Zuchtausschlüsse und Veränderung der Rassestandards versucht haben die HD zu reduzieren, ist sie leider immer noch ein weit verbreitetes Erkrankungsbild.

 

Was ist eine HD

Unter einer Hüftgelenkdysplasie versteht man eine Fehlbildung der Hüftgelenke. D.h. dass Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne nicht korrekt aufeinander passen. Die Fehlbildung tritt meistens beidseitig auf und kann unterschiedlich ausgeprägt sein.

Weil in einem dysplastischen Hüftgelenk nicht alle Teile gleichmäßig beansprucht werden, kann es zu entzündlichen und degenerativen Veränderungen kommen.

So können knöcherne Neubildungen den Gelenkspalt verkleinern oder verschließen und zu einer vollständigen Versteifung des Gelenks führen. Der hyaline Gelenkknorpel, der ein reibungsarmes Gleiten ermöglicht, wird zunächst durch Mikrofrakturen (feine Risse) geschädigt. Sogenannte Chondrozyten sorgen für eine vermehrte Einlagerung von Wasser im Knorpel. Im weiteren Verlauf kommt es zu Knorpelschwund und Knorpelneubildung in den Randbezirken des Gelenks und die Erkrankung kann in den chronisch degenerativen Zustand einer Arthrose übergehen. Diese ist durch eine hohe Schmerzhaftigkeit und einer Einschränkung der Gelenkfunktion gekennzeichnet.

Bei stark abgeflachten Gelenkpfannen kann es zu Luxationen (Verrenkungen) bzw. Subluxationen kommen, bei denen die Gelenkköpfe teilweise oder ganz aus der Pfanne springen und wieder eingerenkt werden müssen. ( nach T. Marziniak)

Eine HD entwickelt sich in den ersten 15 Monaten im Leben eines Hundes, später verändert sich nur noch das Ausmaß einer Arthrose. Junge Hunde mit ausgeprägter HD zeigen Schmerzen als Folge der unüblich starken Lockerheit der Hüftgelenke. Bei älteren überwiegen die Schmerzen als Folge der Abnützung (Arthrose). Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird.(PD Dr. M. Flückiger, HD Komission Zürich)

Der Norberg-Winkel: er dient zur Abschätzung des Schweregrades der HD. Die roten Schenkel geben den maximalen Grenzwert für HD-Freiheit, die gelben Schenkel den tatsächlichen Winkel

Entstehung der HD

  Die Entwicklung der Hüftgelenke wird hauptsächlich durch zwei Faktoren beeinflusst: durch die Erbanlage und die Ernährung.

Bei der HD handelt es sich um eine sog. Additive Vererbung, bei der ein Merkmal um so stärker auftritt, je mehr Gene für diese Eigenschaft vorhanden sind, sich also addieren.

Auch gesunde Tiere können defekte Gene tragen, die nur knapp unter dem Schwellenwert liegen.

Bei einem Hund mit der Veranlagung zu HD ist es möglich, durch eine kalorienmäßig zurückhaltende und ausgewogene Ernährung das Ausmaß der Krankheit zu mildern. Es ist erwiesen, dass Hunde die langsam wachsen, weniger schwer an HD erkranken als ihre schnell wachsenden schwereren Wurfgeschwister. Als häufigste Ernährungsfehler sind falsche Calcium/Phosphorverhältnisse und zu hohe Eiweißanteile zu nennen.

Eine weitere Ursache kann die Überforderung eines Welpen durch kilometerlange Spaziergänge, übermäßiges springen und überklettern von Hindernissen oder durch das Laufen am Fahrrad sein.

Außerdem sollten auch unphysiologische Ausstellungsstandards (z.B. stark abfallende Rückenlinie) kritisch überdacht werden.

Auch hormonelle Störungen werden von einigen Autoren als einen kausalen Faktor für die HD erwähnt. Ebenfalls werden Vitaminüber- bzw. unterversorgung diskutiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ursachen dieser Erkrankung noch nicht eindeutig geklärt sind. Als gesichert gilt jedoch, dass die HD polygen vererbt wird und die phänotypische Ausprägung [Erscheinungsbild] von genetischen und umweltbedingten Faktoren abhängt. (Linneman, 1999..)

Symptome der HD

Die Symptomatik der HD ist sehr vielgestaltig. Neben völliger Beschwerdefreiheit werden alle Grade von Bewegungsstörungen bis zur hochgradigen Hinterhandlahmheit beobachtet.

Folgende Symptome und Befunde können bei einer HD auftreten:

·    Mühsames Aufstehen

·    Beschwerden bei den ersten Schritten nach einer Ruhepause (Anlaufschmerz)

·    schwankender, wackeliger Gang

·    subluxieren der Hüften bei jedem Schritt

·    leichtes Nachziehen der Hintergliedmaßen mit Abschleifen der Zehenkrallen

·    verkürzte Schrittlänge der Hinterextremitäten

·    frühes Antraben zur Vermeidung schnellen Gehens

·    ruckartiges Anheben der Hintergliedmaßen (Hahnentritt ähnlicher Gang)

·    vorne Trab, hinten Galopp

·    gleichzeitiges Fußen beider Hinterpfoten im Galopp zur Verminderung der Bewegung des schmerzhaften Hüftgelenks

·    schnelles Ermüden

·    Belastungsschmerz

·    erschwertes Treppensteigen

·    Ausgleiten auf glattem Boden

·    Umfallen beim Kurvenlaufen

·    unwilliges, erschwertes Springen

·    Hinterbeinlahmheit

·    verlangsamtes sich Setzen und Hinlegen

·    verminderter Bewegungsdrang

·    schmerzbedingte Aggressivität

·    häufiges Liegen

·    asymmetrische Sitzposition ( schmerzhafte Gliedmaße werden zur Seite gestellt )

·    unwilliges längeres Stehen ( Hund bevorzugt Sitzen oder Liegen)

·    im Stand Entlastung der Hinterextremität

·    geduckte Haltung der Hinterhand

·    unterständige Stellung der Hintergliedmaßen

·    Stehen mit gekrümmten Rücken zur Gewichtsverlagerung auf die Vorderhand

·    Unverhältnismäßiges Vorderteil bei schwach entwickelten Hinterteil

·    Muskelatrophie (Muskelschwund) im Kruppen- und Oberschenkelbereich.

·    Schmerzhafte Einschränkung der passiven Beweglichkeit ( Schmerzen bei Extension, Rotation, Abduktion, später Aduktion)

Man unterscheidet zwei Phasen der HD, die akute und die chronische HD. In der akuten Phase lassen die Hunde das Vorhandensein von Hüftgelenksschmerzen während der Wachstumsphase (zwischen 5 und 8 Monaten) erkennen. Als mögliche Ursache der in diesem Alter auftretenden Schmerzsymptome nennen einige Autoren Mikrofrakturen des dorsalen Acetabulumrandes (Gelenkpfannenrand). Sie entstehen durch den Druck des subluxierten Femurkopfes auf den noch nicht ausreichend verknöcherten Acetabulumrand. Der Schmerz entsteht durch die Spannung und Zerrung der Periostnerven. Mit Heilung der Mikrofrakturen (8 bis 11. Monat) klingen die Beschwerden wieder ab. Auch eine Dehnung der Gelenkkapsel kann eine mögliche Ursache für die Beschwerden sein, bis die Kapsel sich hieraufhin verstärkt und die Dehnung einschränkt. Auch durch eine verstärkte Kontraktion (Zusammenziehen) der Muskeln, die das lockere Hüftgelenk dadurch zu stabilisieren versuchen, kommt als Schmerzauslöser in Frage.

Unabhängig vom Grad der HD sind die meisten dysplastischen Hunde im Alter von 12 bis 14 Monaten Beschwerdefrei, zu dieser Zeit stabilisieren sich die Hüftgelenke. Bei manchen Hunden verschwinden die Symptome sogar ganz.

In der chronischen Phase der HD sind die Schmerzzustände des erwachsenen Hundes durch die Sekundärarthrose bedingt. Diese kann erhebliche Schmerzen und Funktionsstörungen (eingeschränkte Gelenkbewegung) hervorrufen. In den meisten Fällen wird die HD erst dann klinisch manifest. Die Schmerzen treten typischerweise nach einer längeren Ruhephase auf als sog. Anlaufschmerz sowie nach längerer bzw. stärkerer Belastung als Belastungsschmerz. Außerdem bewegen sich die Hunde bei schnellem Lauf oft hasenartig (bunny-hop) fort, um das schmerzhafte Hüftgelenk zu schonen.

Oft sind die Beschwerden witterungsabhängig und können sich durch Kälte oder Nässe verschlimmern.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Symptome nicht unbedingt vom röntgenologischen Schweregrad einer HD abhängig sind. So kann eine geringgradige Arthrose starke Schmerzen verursachen, während eine schwere Gelenkszerstörung nur minimale Beschwerden bereitet!

Die Gelenkdegeneration kann für den Hund lange Zeit schmerzfrei bleiben Weil der Knorpel keine Schmerzrezeptoren enthält, kann der Abrieb nicht als solcher empfunden werden. Die hierbei frei werdenden Abbauprodukte können jedoch zu einer Entzündung der Gelenkkapsel führen. Hierdurch wird die Arthrose schmerzhaft (aktivierte Arthrose).

Durch die im Verlauf einer HD entstehenden Bewegungseinschränkung, wird die Muskulatur im Bereich des Hüftgelenks atrophisch (zurückgebildet). Zur gleichen Zeit hypertrophiert (Muskelzuwachs) die Schultermuskulatur da der Hund sein Gewicht wegen der Hinterhandbeschwerden nach vorne verlagert.

Der Verlauf der HD hängt primär mit der Schwere der Gelenkveränderungen und der Beanspruchung des erkrankten Gelenks durch Bewegung und Gewicht ab. Außerdem können Alter, Größe und die Bemuskelung der Hinterhand den Krankheitsverlauf stark beeinflussen.

Kleinere Rassen zeigen oftmals wegen ihrer geringeren Größe weder die frühen akuten klinischen Symptome, noch die durch die sekundäre Arthrose verursachten.

 

Diagnose der HD

Eine gesicherte Diagnose ist ausschließlich nur durch eine röntgenologische Untersuchung möglich. Um eine einheitliche Bewertung der HD- Röntgenaufnahme zu gewährleisten, sind sog. HD- Zentralen eingerichtet worden, bei denen auf HD spezialisierte Tierärzte die Beurteilung der standardisierten Röntgenaufnahmen vornehmen. Für die verschieden Rassen gibt es in Deutschland spezielle Auswertungszentralen um die Rassebesonderheiten zu berücksichtigen.

Für die offizielle HD-Röntgenuntersuchung wird im deutschsprachigen Raum bei den meisten Rassen ein Mindestalter von 12 Monaten verlangt. Bei großen, schweren spätreifen Rassen ( Bernhardiner, Dogge, Molosser ) beträgt das Mindestalter 13 - 18 Monate.

Zur Bewertung der Röntgenaufnahme ist eine genau definierte Lage des Hundes erforderlich. Es haben sich zwei verschiedene Lagerungen etabliert: Position I in gestreckter Haltung und Position II in gebeugter Haltung. Eine solche Lagerung ist im Normalfall nur mit sedierten (beruhigten) bzw. narkotisierten Hunden möglich.

Zu erwähnen ist noch die Winkelmessung nach Norberg, um besonders geringgradige dysplastische Veränderungen objektiv diagnostisieren zu können, sie dient als Entscheidungshilfe zur Beurteilung des HD- Grades im Röntgenbild.

Der amerikanische Tierarzt Schnelle (1954) teilte als erster die röntgenologisch feststellbaren Veränderungen des Hüftgelenks in vier Schweregrade ein:

Grad 1 - leicht = Der Oberschenkelkopf sitzt nicht korrekt in der Gelenkpfanne.
Grad 2 - mittel = Die Gelenkpfanne stellt sich mäßig abgeflacht dar.
Grad 3 - schwer = Die Gelenkpfanne erscheint flach und der Oberschenkelkopf zeigt eine Subluxationsstellung.
Grad 4 - sehr schwer = Der Oberschenkelkopf ist luxiert.

Ein Problem stellt eine einheitliche Definition, Erfassung und Auswertung der HD dar, da sich die Erkrankung mit nicht unerheblichen Variationen zeigt. Der F.C.I. hat in diesem Zusammenhang 1978 und 1983 für internationale Zertifikate Kriterien zur Anfertigung von Röntgenaufnahmen und deren Beurteilung erarbeitet.

 

Klassifizierung

Die HD-Klassifizierung wird Weltweit unterschiedlich behandelt. In Westeuropa werden arthrotische Veränderungen an Pfanne und Kopf bewertet sowie das Ausmaß der Subluxation (teilweise Ausrenkung) des Gelenkkopfes. Die HD wird hier in 5 HD-Graden unterschieden:

  1. HD A = HD-frei, normal
  2. HD B = HD Übergangsform, Verdacht
  3. HD C = HD leicht
  4. HD D = HD mittel
  5. HD E = HD schwer

Anzumerken bleibt, dass auch dieses Klassifizierungsschema unter den verschiedenen Autoren umstritten ist.

 

Präventive Maßnahmen

Die HD ist nicht heilbar, es ist jedoch möglich, durch eine Vielzahl von therapeutischen Maßnahmen die degenerativen und entzündlichen Prozesse im Gelenkbereich positiv zu beeinflussen.

Das Therapieziel ist, die fortschreitenden degenerativen Prozesse im Gelenk zu hemmen, die Stoffwechselprozesse an Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern zu fördern und die schmerzfreie Bewegungsfähigkeit zu erhalten. Auch der Muskelaufbau sollte durch spezielles Training gefördert werden.

Ein Übergewicht sollte bereits beim Welpen unbedingt vermieden werden, denn dies fördert den frühen Verschleiß der Gelenke. Bei übergewichtigen Hunden sollte eine kontrollierte Diät erfolgen.

Regelmäßige Bewegung stärkt den Muskel- und Bänderapparat, dieser kann die erkrankten Gelenke wirkungsvoll entlasten. Außerdem wird nur bei Belastung die sog. Synovialflüssigkeit in die Knorpel gepresst, und dieser mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Springen, plötzliches Abbremsen, Hakenschlagen und Aufstellen auf die Hinterläufe sollten so weit wie möglich vermieden werden. Dies fördert den Abrieb am Gelenkkopf. Ebenso müssen Überlastungen vermieden werden.

Bei der Ernährung sollte auf ein optimiertes Calcium/Phosphor- Verhältnis geachtet werden. Zufütterung von Gelatine und/oder Muschelkalk (Canosan,Dogosan etc.) fördern den Knochen und Knorpelaufbau und wirken den Verschleißerscheinungen entgegen.

Wichtig ist auch ein warmer und trockener Schlaf - und Liegeplatz, da Kälte und Nässe die Beschwerden einer Arthrose fördern. Rotlichtbestrahlungen und heiße Ölumschläge ( Vorsicht vor Verbrennungen! ) können die Therapie wirkungsvoll ergänzen. Die Wärme regt den Stoffwechsel an und lindert die Schmerzen. Meistens empfinden die Tiere eine Wärmebehandlung als sehr angenehm, allerdings sollte bei einer entzündlichen Phase mit großer Hitze und Schwellung nicht wärmebehandelt sondern erst einmal medizinisch betreut werden.

 

Die Verantwortlichkeit der Gene in der Vererbung der HD

Einfach erklärt gibt es unter den Genen die sogenannten Null- Allelen (sie bewirken Gesundheit) und die Plus-Allelen (sie begünstigen den Defekt, die HD). Ein gesunder Hund, der also keine Plus-Allele in sich trägt wird auch keine vererben. Dennoch kann ein phänotypisch, im Erscheiningsbild gesund erscheinender Hund (HD-frei geröngt), die Plus-Allele in sich tragen und sie vererben. In diesem Fall ist das jeweilige Tier genotypisch krank.

Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, HD zu entwickeln, bei Nachkommen HD betroffener Eltern größer. Zudem nimmt die Ausprägung der HD von Generation zu Generation zu, sodass die Nachkommen häufig schlechtere Hüftgelenke entwickeln als ihre Eltern und Vorfahren. Es ist jedoch auch möglich, dass Generationen übersprungen werden und Nachkommen von gesunden Elterntieren HD entwickeln können, wenn Vorfahren weiter zurückliegender Generationen betroffen waren.

 

Eine Beispielverpaarung

Beide Elterntiere sind HD-frei geröngt aber ein Elternteil trägt die Plus-Allelen der HD in sich. Wenn also angenommen 50 gesunde Gene (Null-Allele) und 50 kranke Gene (Plus-Allele) sich mischen, so wird mit großer Wahrscheinlichkeit die HD vererbt werden. Wir dürfen niemals annehmen, dass sich nur die gesunden Gene vererben, denn das liegt in der Sache der Natur und wird durch sie bestimmt. Sie mischt die Gene zufällig und deswegen können gesunde sowie kranke Welpen gezeugt werden. Um genetisch gesunde Hunde zu züchten ist die Information über Vorfahren der Zuchttiere, deren Geschwister und weiteren Verwandten nötig. Eine Übersicht über die Nachzuchttiere ist von wichtigem Stellenwert.

Die Verantwortung des Züchters

Jeder verantwortungsvolle Züchter legt größten Wert darauf, erbgesunde Hunde zu züchten. Natürlich gibt es immer noch Züchter, die ungenügend mit der gesamten Materie vertraut sind und die notwendigen Erkenntnisse nicht in die Tat umsetzen.

Kein Züchter kann eine Garantie für einen HD-freien Welpen geben!

 

 

 

Ellenbogengelenksdysplasie (ED)

Die Bezeichnung Ellbogengelenksdysplasie fasst vier verschiedene Erkrankungen, die aufgrund von Entwicklungsstörungen zu Veränderungen und Missbildungen des Ellbogengelenkes führen, unter einem Begriff zusammen:

-Isolierter Processus anconeus (IPA)
-Osteochondrosis dissecans (OCD)
-Fragmentierter Processus coronoideus (FPC)
-Ellbogeninkongruenz

Besonders betroffen sind große und sehr große Rassen (Labrador, Rottweiler, Golden Retriever, Deutscher Schäferhund, Chow Chow), wobei die Symptome meist im Alter von 4 bis 10 Monaten beginnen.
Neben genetischen Komponenten spielen energiereiches Futter, starkes Wachstum und rasche Gewichtszunahme bei der Entwicklung der Erkrankung eine wichtige Rolle. Daher sollte auf eine gute Zucht (keine Zucht mit betroffenen Tieren und Tieren, die erkrankte Welpen geboren haben), sowie adäquate Ernährung und Gewichtskontrolle geachtet werden.

Bei der klinischen Untersuchung lassen sich je nach Erkrankung folgende Befunde erheben:
Die erkrankten Hunde zeigen häufig eine Auswärtsstellung der Vorderpfoten, die Ellbogengelenke werden eng am Körper gehalten. Tritt eine Lahmheit auf, ist diese anfangs intermittierend, stärker nach Ruhe und/oder Belastung und verstärkt sich im weiteren Krankheitsverlauf oft bis zur hochgradigen Lahmheit. Bei längerer Krankheitsdauer kann sich eine Muskelatrophie der Oberarmmuskulatur entwickeln. Die Gelenke sind vermehrt gefüllt und schmerzhaft bei Manipulation (passiver Bewegung und Druck). Bestehen schon erhebliche Arthrosen, können Reibegeräusche hörbar sein und Bewegungseinschränkungen des Gelenkes vorhanden sein.

 

Anatomie

Das Ellbogengelenk, ein sogenanntes Scharniergelenk, besteht aus drei verschiedenen Knochenanteilen. Die proximale Gelenkfläche wird von der Gelenkwalze des Oberarms gebildet. Diese wird vom oberen Anteil der Elle umfasst, die eine halbmondförmige Aussparung aufweist, wobei sie im oberen Teil den Processus anconeus als zapfenförmigen Fortsatz aufweist und nach unten in einem außen gelegenen kleineren Processus coronoideus lateralis und innen in einem größeren Processus coronoideus medialis (innerer und äußerer Kronfortsatz) ausläuft. Diese beiden unteren Fortsätze umgreifen wiederum den Radiuskopf, dessen Gelenkfläche ca. 80% des Körpergewichtes trägt (die beiden Processus coronoidei zusammen übernehmen ca. 20 %).

 

Isolierter Processus anconeus (IPA)

Bestimmte Knochenabschnitte, wie der Proc. anconaus (der stärkste Knochenvorsprung des Ellenbogengelenks), sind mit der Geburt nicht knöchern mit dem Ulnaschaft verbunden, sondern entwickeln erst nach einigen Monaten Wachstum eine knöcherne Verbindung. Unterbleibt diese nach 5 Monaten spricht man vom isolierten Processus anconeus. Ein chirurgischer Eingriff ist zur Entfernung des Proc. anconeus, bzw. Korrektur nötig.

 

Osteochondrosis Dissecans (OCD)

Die Osteochondrosis dissecans im Bereich des innen gelegenen Abschnittes der Gelenkwalze des Oberarms stellt eine Störung der enchondralen Ossifikation dar. Das Wachstum der Röhrenknochen erfolgt, sowohl im Bereich der Gelenkflächen als auch an den Wachstumsfugen, zunächst in Form von Knorpelzellen, die dann später verkalken und in Knochenzellen umgewandelt werden. Die Knorpelzellen im Bereich der Gelenkflächen werden durch Diffusion der Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit ernährt. Wird die Knorpelschicht infolge einer zu hohen Wachstumsgeschwindigkeit (zu langsame Verknöcherung) zu dick, führt dies zum Absterben von Knorpelzellen an der Grenze zum Knochen. Zusätzliche mechanische Beanspruchung stellt einen weiteren Faktor dar, so dass Risse und Fissuren im Gelenkknorpel entstehen und sich teilweise ganze Schuppen ablösen. Als Folge gelangt Gelenkflüssigkeit in Kontakt mit dem unter dem Knorpel gelegenen Knochen und den abgestorbenen Knorpelzellen. Eine Entzündungsreaktion wird hervorgerufen, die eine vermehrte Gelenkfüllung, Dehnung der Kapsel, Schmerz und damit Lahmheit bewirkt. Abgelöste Knorpelschuppen verbleiben in der Regel an ihrem Platz, können aber auch als freie Gelenkkörper im Gelenk gefunden werden.

 

Fragmentierter Processus coronoideus (FPC)

Der Processus coronoideus medialis verknöchert bei Hunden großwüchsiger Rassen erst im Alter von vier bis fünf Monaten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er sehr empfindlich gegenüber jeglicher Überbelastung. Kommt es zu einer Stufenbildung im Ellbogengelenke durch unterschiedliches Längenwachstum von Elle (Ulna) und Speiche (Radius), kann es, bei einer längeren Elle, zur Überbelastung des Processus coronoideus medialis kommen, so dass dieser partiell von der Elle abbricht. Auch wenn die Aussparung in der Elle, die den Oberarm umfasst, zu "eng" ist, kommt es durch eine Gewichtsverlagerung der Gelenkwalze nach vorn zur Stressfraktur des Fortsatzes. Im Falle einer Fraktur (Bruch) dringt Gelenkflüssigkeit in den Bruchspalt ein, wodurch wieder ein Entzündungsprozess in Gang gesetzt wird. Zusätzlich zur klinisch sichtbaren Lahmheit führen beide Erkrankungen zur Entstehung sekundärer Arthrosen, welche die Nutzbarkeit des Hundes in seinem weiteren Leben erheblich beeinträchtigen können. FCP und OCD treten bei vielen Hunden an beiden Vordergliedmaßen auf. Somit bedarf es oft eines zusätzlichen Traumas (mechanischer Einwirkung) an einem der beiden Vordergliedmaßen, bis der Hundehalter an dem stärker schmerzhaften Bein eine Lahmheit erkennen kann. Zu diesem Zeitpunkt haben die Hunde oft schon ein Alter von 10 bis 14 Monaten erreicht, und die Arthrosen sind entsprechend weit fortgeschritten. Untersuchungen in Schweden, Norwegen und England haben ergeben, dass bei beiden Erkrankungen eine genetische Disposition vorliegt. Durch eine Anpaarung von Hunden ohne FCP und/oder OCD bzw. ohne Arthrose konnte die Häufigkeit der Erkrankung deutlich herabgesetzt werden (ähnlich wie bei der Hüftgelenksdysplasie).

 

 

Ellbogeninkongruenz

Durch Fehlentwicklung und Wachstumsstörungen kommt es zu einer Asynchronität im Wachstum von Radius und Ulna und somit zu einer Inkongruenz des Gelenkes mit stärkerer Arthrosenbildung. Durch Fehlbelastung kann daraus ein fragmentierter Processus coronoideus (FPC) resultieren. Neben Bewegungseinschränkung ist eine Längenkorrektur und Angleichung beider Knochen durch einen chirurgischen Eingriff wichtig.

 

Diagnostik

Eine wichtige Rolle bei der Diagnostik und Differenzierung der verschiedenen Ellbogengelenkerkrankungen kommt der radiologischen Untersuchung zu. Dazu ist eine hohe Aufnahmequalität von großer Wichtigkeit, da besonders im Anfangsstadium der Erkrankung die Röntgenveränderungen sehr diskret sein können und eine genaue Betrachtung der Aufnahmen erforderlich ist. Es sollten immer, auch bei einseitiger Lahmheit, beide Ellbogengelenke geröntgt werden. Zur exakten radiologischen Darstellung des Ellbogengelenkes existiert eine große Anzahl von unterschiedlichen Röntgenprojektionen, bei denen jeweils unterschiedliche Gelenkabschnitte besonders hervorgehoben werden. Eine weitere Möglichkeit bietet die Anfertigung von Schichtaufnahmen. Während man die Osteochondrosis dissecans in der Regel direkt durch Röntgenaufnahmen nachweisen kann, ist dies bei Brüchen im Bereich des Kronfortsatzes nur selten möglich. Zum radiologischen Nachweis eines FCP ist man meistens auf die Interpretation sekundärer Veränderungen angewiesen. Das Ziel ist es, die Erkrankung vor dem Auftreten massiver Arthrosen zu diagnostizieren.

 

Prophylaxe

Für IPA, FCP und OCD sind genetische Dispositionen (ähnlich wie bei der Hüftgelenksdysplasie) nachgewiesen. Die Manifestation der Erkrankung oder ihr Schweregrad können durch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen beeinflusst werden. Dazu gehören vor allem Fütterung und Bewegung. Wenn die Hunde älter als drei Monate sind, dürfen sie nicht "überfüttert" werden (zu hoher Gesamtenergiegehalt; Rohprotein sollte 22 bis 25% betragen), und das Zufüttern von Mineralstoff- und/oder Vitaminpräparaten sollte, außer bei nachgewiesenen Mangelzuständen, unterbleiben. Die "kontrollierte" Fütterung wird die Endgröße der Tiere nicht beeinflussen sondern zu einer langsameren, gleichmäßigeren Wachstumsgeschwindigkeit führen und damit das Risiko für die Manifestation von "Wachstumserkrankungen", die im Alter von drei bis sieben Monaten auftreten, herabsetzen. Für die frühzeitige Diagnose ist es wichtig, lahmende junge Hunde prädisponierter Rassen einer genauen Untersuchung zu unterziehen (klinisch und radiologisch). Sind bei Hunden im Alter von vier bis fünf Monaten noch keine Röntgenveränderungen im Ellbogengelenk zu finden, müssen vier bis sechs Wochen später unbedingt Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden!!! Da nachgewiesen ist, dass FCP/OCD erbliche Erkankungen sind, besteht das Ziel darin, ihr Auftreten durch Selektion in der Zucht zu verhindern. 1989 wurde die IEWG (International Elbow Working Group) gegründet, der spezialisierte Tierärzte verschiedener Länder, aber auch andere Mitglieder angehören. Ihr Ziel ist es, die erblichen Ellbogengelenkerkrankungen nach einem international einheitlichen Screening zu erfassen, ihre Häufigkeit zu ermitteln und die erhobenen Daten statistisch auszuwerten. Da zur Diagnose von OCD/FCP viele verschiedene Röntgenprojektionen gefordert werden, ein Verfahren, das sich für Reihenuntersuchungen, ähnlich dem HD-Röntgen nicht eignet (z. B. aus finanziellen Gründen), wurde als Standardaufnahme pro Ellbogen je eine mediolateral-gebeugte Projektion im Winkel von ca. 45° gefordert. Manche Gutachter verlangen zusätzlich eine craniocaudale Aufnahme. Mit diesen Aufnahmen, die im Alter von mindestens einem Jahr angefertigt werden sollen, werden die sekundär entstehenden arthrotischen Veränderungen in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollten allen Interessierten (z. B. Tierärzte, Züchter, Genetiker) zur Verfügung stehen, so dass Informationen über den Status der Ellbogengelenke einer Hündin/eines Rüden vor der Belegung verfügbar sind. In skandinavischen Ländern, wo solche Zuchtprogramme schon seit vielen Jahren durchgeführt werden, werden Hunde mit Arthrosen am Ellbogengelenk nicht automatisch von der Zucht ausgeschlossen, aber die Züchter nutzen die Möglichkeit, mit den zur Verfügung stehenden Daten, nicht betroffene Hunde in der Zucht zu bevorzugen. Bereits dadurch konnte die Inzidenz von FCP und OCD deutlich herabgesetzt werden.

 

Therapie

Währen OCD-Defekte ohne Schuppenbildung oder freie Gelenkmäuse bei strikter Ruhe und Futterumstellung ausheilen können, besteht bei größeren Läsionen oder dem Vorliegen von Knorpelschuppen nur die Möglichkeit der operativen Entfernung der Dissekate und des Auskratzen des Dissekatbettes. Auch beim FCP sollte die operative Therapie mit Exstirpation des abgebrochenen Knorpel-Knochenstückes möglichst frühzeitig vorgenommen werden.


    www.deutsche-doggen-vom-hospodar.de