- gelb und gestromt -
Int. Zwingerschutz FCI/VDH/DDC   •   Mitglied im DDC seit 1969


Erziehung

Hunde wollen lernen, und Hunde müssen beschäftigt werden. Eine Möglichkeit liegt im Sport- und Freizeitbereich. Man kann sich im Verein mit anderen zusammen tun, oder auch alleine mit seinem Vierbeiner aktiv sein, ganz nach eigenem Bedarf. Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, den Hund, aber auch sich selbst zu beschäftigen. Natürlich ist die Grenze zum Sport fließend und dem Hund ist es einerlei, ob er eine Rettungshundeausbildung absolviert oder sich beim Agilitytraining auspowert. Da muss der Mensch wissen, in welche Richtung er gehen möchte. Und egal, was man mit dem Hund vorhat, als Basis ist immer eine gute Grundausbildung nötig.

Fünf einfache Trainings-Grundregeln:

  • Trainieren Sie nur, wenn Sie gute Laune haben! Ihre Stimmung überträgt sich auf den Hund!

  • Bleiben Sie geduldig! Wenn sich so gar kein Erfolg einstellt, hinterfragen Sie Ihre Trainigsmethoden. Ihr Hund ist nicht doof, vielleicht haben Sie es ihm nur falsch erklärt?

  • Arbeiten Sie mit positiver Verstärkung! Setzten Sie Belohnung und Lob ein und vergessen Sie dabei nicht: Das wichtigste ist richtiges Timing! Lernen mit positiver Bestärkung ist dauerhafter und erfolgreicher als Lernen durch Angst und Strafe.

  • Berücksichtigen Sie die Konzentrationesfähigkeit Ihres Hundes. Es gilt: lieber öfter kurz trainieren, als selten lang. Eigentlich sollte jeder! Spaziergang genutzt werden, zumindest, um Erlerntes zu festigen. Hund herbeirufen, ein paar Meter Fuß, einfach mal absitzen ...

  • Und ganz wichtig: Das Training muss mit positivem Abschluss beendet werden. Immer! Gegenfalls zum Schluß etwas üben, das der Hund sicher kann. Beenden Sie Ihr Trainig rechtzeitig, bevor der Hund Sie gelangweilt stehen läßt.




    Es gibt eine ganze Reihe geflügelter Worte, die vermutlich jeder, der in Sachen Hund aktiv ist, schon einmal gehört hat. Oder auch - was ja völlig menschlich ist - selbst schon im Umgang mit dem eigenen Hund gedacht hat. Wir haben hier ein paar dieser Phrasen aufgegriffen und entdeckt, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

    "Der 'verarscht' mich! " Keine Angst - dazu sind Hunde gar nicht fähig. Meist brennt sich dieser Satz in die Windungen unserer menschlichen Gehirne, wenn der Hund nicht so funktioniert, wie wir uns das gerade vorstellen; wenn Übungen, die der Hund "eigentlich" schon kann, auf einmal nicht klappen. "Das hat er doch immer gemacht! Er KANN es doch. Will er mich an der Nase herum führen?"

    Nein, will er nicht. Dass Dinge plötzlich nicht klappen, kann vielfältige Gründe haben. Oft ergeben sich solche Situationen, wenn eine Übung einfach noch nicht richtig einstudiert ist. Ein Hund muss erst lernen, eine Übung in allen erdenklichen Situationen und unter jeglicher Ablenkung zu absolvieren. Wenn Ihr Hund "Platz" im Wohnzimmer auf dem roten Teppich gelernt hat, heißt das noch lange nicht, dass er es im gleichen Raum auf dem blauen Teppich auch kann - ganz zu schweigen vom Garten oder Hundeplatz. Wenn er sich bis jetzt immer VOR Sie gelegt hat, kann es sein, dass ihm alles ziemlich spanisch vorkommt, wenn Sie plötzlich NEBEN ihm stehen. Und wenn bislang SIE mit Ihrem Hund geübt haben, dann heißt das noch lange nicht, dass er einen anderen Trainingspartner ebenso versteht.

    Hunde sind Weltmeister im Differenzieren: Sie verknüpfen ihre gesamte Umgebung mit der Übung. Deshalb auch die Sache mit dem roten Teppich. Dafür sind sie grottenschlecht im Generalisieren: das heißt, sie müssen erst lernen, dass Übungen auch in anderen Umgebungen und unter anderen Umständen tatsächlich die selben sind. Außerdem müssen sie daran üben, unter größerer Ablenkung zu arbeiten.

    Hätten Sieís gewusst? Damit ein Verhalten richtig "sitzt", sind ungefähr 5.000 Wiederholungen vonnöten!!! Das hat die Verhaltensforschung so heraus gefunden.

    Geben wir unseren Hunden die Chance, zu lernen, bevor wir ihnen Unrecht tun und ihnen Dickschädeligkeit oder Ungehorsam unterstellen!

    Und vergessen wir nicht, auch auf das zu achten, was uns unser Hund sagt: Ein Hund, der scheinbar den Gehorsam verweigert, kann auch krank sein oder Schmerzen haben! Und wenn unser Hund gerade stark abgelenkt oder aufgeregt ist, dann ist er rein physisch nicht in der Lage, Signale von uns zu empfangen - die kommen in seinem Gehirn erst gar nicht an. Auch das haben Verhaltensforscher bewiesen.

    "Der weiß genau, was er gemacht hat!" Wohl jeder Hundehalter hat diese Situation schon einmal erlebt: Sie kommen nach Hause - und es wartet die schöne Bescherung - der ausgeräumte Mülleimer, die zerrissene Zeitung, der angefressene Pantoffel... Je nachdem, wie groß der Schaden ist, ist ein ordentlicher Fluch vorprogrammiert. Und was macht Ihr Hund: Der kriecht auf dem Bauch, macht "gut Wetter" oder alternativ einen großen Bogen um Sie. "Er weiß es genau - und jetzt hat er ein schlechtes Gewissen" - diese Schlussfolgerung liegt in Anbetracht seines Verhaltens nahe.

    Aber Irrtum: Das "schlechte Gewissen" gibtís bei Hunden nicht. Sie sind noch nicht einmal in der Lage, unsere Schimpftirade mit ihren Missetaten in Verbindung zu bringen. Wenn Hunde etwas tun - sei es gut oder schlecht, dann haben wir maximal 1-2 Sekunden Zeit, darauf zu reagieren. Nur dann sind sie in der Lage, unsere Belohnung oder Bestrafung mit ihrem Verhalten in Verbindung zu bringen. Alles, was danach kommt, ist zwecklos.

    Aber wie lässt sich dann das Verhalten unseres Hundes erklären, wenn er so aussieht, als wäre er reumütig? Nun, Hunde sind schon ziemlich sensible Geschöpfe. Sie registrieren schnell unsere Stimmung. Wenn sie merken, dass wir aufgebracht oder wütend sind, dann reagieren sie entsprechend. Einige schlagen dann einen Bogen um uns und versuchen, uns aus dem Wege zu gehen. Andere tun alles, um uns zu beschwichtigen und wieder in Stimmung zu bringen. Aber verstehen, warum wir so aufgebracht sind - das tun sie nicht.

    "Er soll nicht für Leckerchen arbeiten, sondern für MICH!" Mal eine Frage: Was tun SIE denn umsonst? Würden Sie jeden Tag zur Arbeit gehen und gute Leistungen bringen, wenn es dafür allenfalls ein lobendes Wort gäbe? Auch, wenn Sie Ihre Arbeit gerne machen: Sie würden garantiert sparsam gucken, wenn am Ende des Monats ein Schulterklopfen und ein überschwängliches Lob von Ihrem Chef Ihre Entlohnung sein sollten. So ähnlich geht es auch Ihrem Hund.

    Und mal andersrum: Meinen Sie, es wäre so viel besser, Ihrem Hund sein gesamtes Essen quasi auf dem Goldenen Tablett zu servieren und ihm den gefüllten Napf vor die Nase zu setzen? Lassen Sie ihn doch ruhig ein wenig dafür arbeiten - das müssen Sie doch schließlich auch, für Ihr Geld, das Sie von Ihrem Chef haben wollen.

    Und - machen wir uns doch nichts vor: Wie sieht denn die Alternative aus? Wenn nicht die Aussicht auf eine Belohnung die Antriebsfeder für Ihren Hund ist, mit Ihnen zu kooperieren, dann ist es in aller Regel die Motivation, einer drohenden Strafe für unerwünschtes Verhalten zu entgehen. Und wenn ein Hund mitarbeitet, um Unannehmlichkeiten zu entgehen, würde doch keiner von uns auf den Gedanken kommen, der Hund arbeite für UNS - oder?

    "Hunde dieser Rasse sind eben nicht besser zu erziehen!" Gehört Ihr Vierbeiner auch einer jener Hunderassen an, die als irgendwie "stur", "dickschädelig, "eigenständig" oder "schwer erziehbar" gelten? Sie nicken?
    Dann leben Sie vielleicht mit einem Dackel, einem Beagle, einem Vertreter der zahlreichen Terrier-Rassen, einem Herdenschutzhund, einem Windhund, einem Schlittenhund, einem .... zusammen? Ja, die Liste ist lang. Fast könnte man meinen, dass alle Hunde jenseits des Hütehundespektrums, deren Vertreter meist als das Maß aller Dinge genommen werden, "irgendwie schwer erziehbar" sind. Und damit gibtís für jeden Hund auch die perfekte Entschuldigung, wenn Dinge nicht so klappen: "Mit dem kann man nicht mehr erreichen, das liegt an der Rasse". Oder noch schlimmer - es wird auf Druck gesetzt, um den vermeintlichen Dickschädel zur Raison zu bringen: "Der ist eben stur, und man muss sich ordentlich durchsetzen, damit es klappt."



    Suzanne Clothier hat in ihrem absolut lesenwerten Buch "Bones would rain from the sky"(Warner Books, 2002) einen interessanten Versuch beschrieben, den Verhaltensforscher angestellt haben. Testobjekte waren Lehrer:

    Einer Gruppe von Lehrern wurden Klassen von vermeintlich talentierten, intelligenten Schülern zugeteilt. Eine andere Gruppe von Lehrern sollte Klassen unterrichten, die mit vermeintlich langsam lernenden, eher minderbemittelten Schülern besetzt waren. In Wirklichkeit gab es keine Unterschiede - in allen Klassenzimmern saßen ganz normale, durchschnittlich begabte Schüler.

    Das Ergebnis des Versuches war verblüffend: Die Lehrer mit den vermeintlich talentierten Schülern waren mit den Leistungen ihrer Schüler zufrieden: die Arbeiten fielen gut aus, die Schüler machten gute Forschritte. Ganz anders sah das bei den Lehrern aus, an deren Unterricht die angeblich langsam lernenden Schüler teilnahmen: Die Testergebnisse fielen längst nicht so gut aus, und die Fortschritte, die die Schüler machten, bewiesen den Lehrern, dass sie es tatsächlich mit minder begabten Schülern zu tun hatten.

    Wie das kam?
    Die Forscher fanden einen ganz erheblichen Unterschied darin, wie die Lehrer aufgrund ihrer Erwartungen lehrten: Die Lehrer der angeblich talentierten Kinder sahen jedes Problem der Kinder, den Stoff zu verstehen, als Problem der Lehre an. Da die Kinder als intelligent galten, musste die einzig mögliche Erklärung für das Verständnisproblem darin liegen, dass der Stoff nicht richtig vermittelt worden war. Die Lehrer arbeiteten also verstärkt an sich und an ihrer Art, Unterrichtsinhalte zu vermitteln - und hatten auf diese Weise Erfolge. Ganz anders war das bei den Lehrern der vermeintlich "untalentierten" Kinder: Sie gingen davon aus, dass ein Verständnisproblem schlicht und einfach daran lag, dass sie es mit langsam lernenden Kindern zu tun hatten, deren Fähigkeit, Unterrichtsstoff zu begreifen, begrenzt war. Sie sahen sich nicht veranlasst, ihren Unterricht zu verändern - und die Ergebnisse fielen entsprechend schlecht aus.

    Ein ähnliches Phänomen trifft wohl auch auf uns Hundebesitzer zu: Wir Menschen gehen davon aus, dass bestimmte Rassen besonders intelligent, dumm, stur oder faul sind. Und diese Erwartungen beeinflussen unser Handeln - und unsere Erfolge, die wir in der Zusammenarbeit mit unserem Hund haben.

    Natürlich geht es nicht darum, tatsächlich existierende rassespezifische Unterschiede zu verleugnen, das wäre wohl ein wenig zu einfach! Aber meist hat das, was wir an einem Hund als dumm, stur oder faul bezeichnen, nichts mit seiner Intelligenz zu tun. Was wir dann wirklich meinen: Der Hund ist nicht in Übereinstimmung mit uns und tut nicht das, was wir von ihm erwarten. Der Fehler liegt unserer Meinung nach meistens am dickköpfigen, "dominanten" oder ungezogenen Hund - und nicht an unserem Umgang mit ihm. Wenn wir uns über die mangelnde Lernfähigkeit unserer Hunde beklagen, offenbaren wir Menschen damit im Grunde bloß, dass wir in unserem "Werkzeugkoffer" noch nicht das Lehrwerkzeug gefunden haben, das für unseren persönlichen Vierbeiner passend ist.

    "Wenn du eine Übung absolut zuverlässig haben willst, musst du sie absichern!"
    Wohl jeder, der in Sachen Hundetraining und -ausbildung aktiv ist, hat diesen Satz schon vernommen: "Positive Bestärkung schön und gut. Aaaber: Wenn Hund eine Aufgabe 100%ig sicher ausführen soll, dann muss man 'absichern'". Absichern heißt dann, dem Hund klar zu machen, dass das richtige Verhalten zwar belohnt wird, es aber unangenehme Konsequenzen für ihn hat, sollte er es doch nicht tun. Nur dies, so die weit verbreitete Meinung, führt zum Erfolg.

    Dazu ein Bericht über die Ausbildung von Minensuchhunden:
    1997 ist die Norwegerin Anne-Lill Kvam mit mehreren anderen Hundetrainern aus verschiedenen Ländern von einer Hilfsorganisation angestellt worden, Minensuchhunde in Angola auszubilden. Sie selber trainiert Hunde auf Basis positiver Bestärkung, die anderen Trainer hatten jedoch komplett andere Hintergründe, Vorstellungen und Trainingsmethoden. Dennoch musste ein gemeinsamer Trainingsweg gefunden werden - kein einfaches Unterfangen.

    Einigkeit bestand jedoch relativ schnell über Folgendes: Von den Hunden wird absolute Konzentration und Zuverlässigkeit erwartet. Immerhin hängt nicht nur das Leben des Hundes, sondern auch das der Menschen, die mit im Minenfeld sind, von seinem Tun ab. Aus genau diesem Grund konnte man es sich nicht leisten, dass der Hund auch nur die geringste negative Assoziation mit seiner Aufgabe bzw. dem zu suchenden Sprengstoff verbindet.

    Sprich: Aufgrund der Wichtigkeit dieser Aufgabe und des damit verbundenen Erfolgsdrucks wurde jegliche Verwendung von Strafreizen von vornherein ausgeschlossen. Auch nur die geringste negative Verknüpfung wäre ein allzu großer Unsicherheitsfaktor gewesen!

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